Zu Beginn des 19. Jahrhunderts setzte ein wirtschaftlicher und
politischer Umbruch ein, der innerhalb weniger Jahrzehnte das
gesellschaftliche Umfeld in einem bis dahin nicht gekannten Maße
veränderte: Liberales Gedankengut traf mit technischen Pionierleistungen
zusammen.
Dies war auch die Zeit von
Hermann Schulze, geboren am 29.08.1808 in Delitzsch/Sachsen. Bereits
1848 hatte er die Lage des Mittelstandes durch erste
Wohltätigkeitsvereine zu verbessern versucht. Seine ganze Tatkraft
widmete er der Lösung der von den sozialen Problemen der industriellen
Revolution am härtesten betroffenen Handwerker und Arbeiter. Um die
wirtschaftlichen Belange der Landwirte kümmerte sich damals Friedrich
Wilhelm Raiffeisen.
Herrmann Schulze-Delitzsch
gründete ab 1849 Genossenschaften nach dem Prinzip der Selbsthilfe.
Durch die Kooperation kleiner selbständiger Betriebe in Genossenschaften
konnten die Betriebe im Einkauf, beim Absatz und bei der
Kreditbeschaffung mit größeren Unternehmen konkurrieren.
Grundlage dieser
Genossenschaften waren die Prinzipien Selbsthilfe, Selbstverantwortung
und Selbstverwaltung. Schulze-Delitzsch, der Politiker und praktische
Sozialreformer, lehnte Staatshilfe und staatliche Bevormundung
konsequent ab. Er machte die gewerblichen Genossenschaften zu
konkurrenzfähigen Wirtschaftsunternehmen, die die Interessen ihrer
Mitglieder auf wirtschaftlichem Gebiet förderten.
Übrigens: 1867 wurde in Preußen
das von Schulze-Delitzsch entscheidend geprägte Genossenschaftsgesetz
erlassen, das 1889 schließlich Reichsgesetz wurde.
Schulze-Delitzsch begann mit
dem Aufbau eines Genossenschaftsverbandes (1859), dem er bis an sein
Lebensende im Jahre 1883 vorstand.